Neil Simon
Sunny Boys

Komödie im Marquardt, Stuttgart
Premiere am 03. Juni 2006
Inszenierung:
Andreas Geier
Ausstattung: Gerrit Schulze-Uphoff


Süßer Vogel Alter

Sie waren Könige des Varieté. Jetzt taugen sie nicht einmal mehr für die Alka-Seltzer-Werbung. Für Dietz-Werner Steck und Max Schautzer hat Regisseur Andreas Geier Neil Simons Komödienklassiker "Sonny Boys" als rotzfrech-melancholische Parabel aufs Altwerden inszeniert.
"The Sunshine Boys" (Originaltitel), von Neil 1972 geschrieben, wurde mit Walter Matthau und George Burns verfilmt; die Drehbuchfassung erhielt eine Oscar-Nominierung. Neils Talent, dem Schrecken des Altwerdens mit Weisheit und schwarzem Humor zu begegnen, begeistert auch in der Komödie im Marquardt. Denn verlottert, vertrottelt und ziemlich fremd in dieser Welt: Das ist auch der ausgemusterte Ex-Komödiant Willie Clark in der Stuttgarter Inszenierung. Selbst wenn der Profi in Sachen Comedy die letzten Pointen schon vor Jahren zum Besten gegeben hat.
(…) Nach vielen Vermittlungsbemühungen wird das Unmögliche möglich: Der Sketch "Der Doktor lässt bitten" wird tatsächlich gedreht; großes Amüsement für das Publikum nach einem etwas behäbigen Einstieg. Denn Dietz-Werner Steck glänzt als frivoler Mediziner. Sein Personal im nuttigen Outfit (Sandra Böhme) hat er auf dem Strich aufgegabelt. In gebückter Haltung buchstabiert Miss Paradise mit schaukelnden Pobacken die Namen der Patienten. Max Schautzer gibt als Steuereintreiber den sonoren Gegenspieler bis zu dem Moment, in dem sich die Streithähne von einst erneut in die Haare kriegen. Fataler Schrecken: Herzanfall für Willie, Endzeitstimmung im Publikum. Nun geht es in "Sonny Boys" wirklich ums Eingemachte. Abschiednehmen von Eitelkeiten und Beifallsstürmen, um das Akzeptieren, alt zu sein und Frieden zu machen mit denen, die einem lieb sind.

Stuttgarter Nachrichten, Brigitte Jähningen



Umwerfend komische Sonny Boys

Die Komödie im Marquardt am Stuttgater Schlossplatz hat ein neues Dream-Team: Urgestein Dietz-Werner Steck steht gemeinsam mit dem durch zahlreiche Fernsehmoderationen bekannten Max Schautzer auf der Bühne.

Dietz-Werner Steck ist auf der Bühne weitaus interessanter als im Fernsehn; man merkt ihm den Spaß an, der Schweiß auf seiner Stirn rinnt von Herzen. Durch seine Mischung aus schelmischem Grinsen und schwäbischer „Schnute ziehen“ wirkt Steck für die Rolle wie geschaffen. Max Schautzer spielt im Gegensatz zu seinem eher locker wirkenden Pentdant einen vornehmen, an einen englischen Lord erinnernden Al Lewis. (...) In der Inszenierung von Andreas Geier wird daraus eine typische, herrlich komische Komödie.

Schwäbische Post, Michael Beuther



Kommissar Bienzle ermittelt unterm Minirock

Was für ein verrücktes Paar: Dietz-Werner Steck und Max Schautzer stehen seit gestern als „Sonny Boys“ auf der Bühne der Komödie im Marquardt. So haben Sie die alten Showhasen noch nie gesehen! Urkomisch: Der legendäre Krankenschwestern-Sketch. Das ermittelt „Kommissar Bienzle“ als frecher Arzt sogar unterm Kittel einer drallen Krankenschwester. So mancher Zuschauer wird heute Muskelkater vom Lachen haben. Aber es gibt nicht nur Haudrauf-Humor, sondern auch schöne, stille Momente. Wenn die Sonny Boys nach Willies Herzinfakt sentimental werden. Unbedingt angucken!

BILD Stuttgart, Birthe Arff



Von der Verbrecherjagd in die Sketch-Hölle

Aus dem Fernsehen kennt sie ein Millionenpublikum. Doch Dietz-Werner Steck und Max Schautzer sind jetzt in Stuttgart auf der Bühne zu erleben: als "Sonny Boys".

Etwas zerknittert sieht er aus, wie er da sitzt in seinem Fernsehsessel, im Pyjama, die alten Knochen in eine Decke gehüllt. Kein Zweifel: Das ist er, der Bienzle. Die Figur des Stuttgarter Tatort-Kommissars in Person. Gleich wird er sich aufschwingen, seinen Hut aufsetzen und hinauseilen, auf der Jagd nach Verbrechern. Doch nichts von all dem geschieht. Stattdessen macht Dietz-Werner Steck den Mund auf und spricht - nicht etwa schwäbisch, sondern hochdeutsch.

Bienzle verblasst, Steck verwandelt sich zusehends in Willie Clark, der einen Hälfte der "Sonny Boys". Die gleichnamige Komödie des Broadway-Erfolgsautors Neil Simon feierte nun in der Stuttgarter Komödie im Marquardt Premiere. Den zweiten Sonny Boy, Al Lewis, spielt Max Schautzer. Doch bis der erscheint, vergehen einige lange Minuten. Dennoch ist es vergnüglich, die beiden populären Unterhaltungsgrößen gemeinsam auf der Bühne zu erleben und sie dabei zu beobachten, wie sie sich gegenseitig die Show stehlen.

Als das Fernsehen einen klassischen Sketch der "Sonny Boys" aufzeichnen will, müssen Willie und Al, die zerstrittenen Altstars der ehemals erfolgreichen Comedy-Serie, nach zwölf Jahren wieder miteinander reden. Zur Freude der Zuschauer, die ein Kaleidoskop alter Gewohnheiten und Gemeinheiten, Eifersüchteleien, Verletzungen mit dazu passender Mimik und Gestik, aber auch Beweise der tiefen Anerkennung füreinander erleben.
Mit Sandra Böhme als "Miss Paradise" in Mini und halterlosen Stümpfen kommt erotischer Schwung in die Szenerie. Und in herrlich verschrobenen Momenten, in denen Willie und Al sich den Zeigefinger in die Rippen bohren und sich mit feuchter Aussprache beglücken, zeigt sich die adäquate Besetzung des Duos mit Steck und Schautzer, denen es mit Entertainerqualitäten gelingt, auch die traurigen Seiten der Komödie offenzulegen. Ein amüsantes Kräftemessen zweier gleichstarker Gegner, die am Ende beide Gewinner sind. 

Bietigheimer Zeitung



Streitereien und Sticheleinen zweier Komiker

Wenn es dem Regisseur Andreas Geier auch nicht gelingt, aus den zwei Fernsehstars ausgesprochene Charakterschauspieler auf der Bühne zu machen, so sorgt er doch mit seiner Inszenierung, in der er sie an der langen Leine gehen lässt, für der Erfolg der Aufführung.

Giessener Allgemeine Zeitung, Dieter Schnabel