Cole Porter
Nicht von dieser Welt

Altes Schauspielhaus Stuttgart
Premiere am 13. Dezember 2007
Inszenierung:
Andreas Geier
Kostüme: Andrea Meinköhn


Die lockeren Sitten der Olympier

STUTTGART. Amphitryon heißt hier Art O'Malley und ist ein überarbeiteter Reporter aus New York. Cole Porters Musicals »Out Of This World«, zu deutsch »Nicht von dieser Welt«, tanzt zweieinhalb fröhliche Stunden auf der griechischen Sage über Jupiter und seine Liebe zu einer schönen Sterblichen herum und löckt dabei wider die amerikanische Prüderie der 50er-Jahre. 20 Jahre nach der deutschen Erstaufführung hat das Alte Schauspielhaus in Stuttgart das Stück wieder ausgegraben, das direkt nach Porters »Kiss me, Kate« entstand.

Die Amphitryon-Handlung ist von Plautus, Molière, Kleist & Co. hinreichend bekannt, hier wird sie zum willkommenen Anlass für bissige Pointen über Ehe, Treue, außerehelichen Sex und, ach ja, die wahre Liebe. Göttervater Jupiter hat sich in die sterbliche Helen verguckt und der gestresste Götterbote Merkur muss nun deren Ehemann Art ablenken, während Juno ihrem untreuen Gatten hinterherjagt. Ein Gangster, ein vorlautes Liebchen für Merkur und Jupiters schrille Götterschar machen das Broadway-Musical komplett, das trotz des berühmten Komponisten nicht ganz zu Unrecht vergessen war. Dennoch: die Stuttgarter Inszenierung macht mit Witz und Ironie einen flotten Abend draus.
Regisseur Andreas Geier hat haarscharf erkannt, dass wir hier die amerikanische Glitzerversion der alten Sage vor uns haben und verlegt das Ganze nach Hollywood. In riesigen weißen Lettern steht hinten »OLYMP«, die Götter sehen aus wie Filmstars. Juno rauscht als Marlene Dietrich herein und vertritt in Person von Maryanne Kelly ihre matronigen Grundsätze mit trockener Ironie, während die Jungs für die freie Liebe plädieren. Die gegensätzlichen Ansichten kristallisieren sich immer wieder in Cole Porters schwungvollen Songs mit ihren turbulenten Reimen oder den sinnlich-unterschwelligen Rumba-Rhythmen.
Durch optische Gags und den Spielwitz seines Ensembles potenziert der Regisseur die Ironie der Vorlage und rettet so den etwas moralinsauren Schluss. Eine federleichte Choreografie bietet alles von klassischen Ginger-und-Fred-Duos bis zu großen Stepp-Ensembles. Im güldenen Knautschanzug, schmierig und doch irgendwie sexy spielt Michael Gaedt von der »Kleinen Tierschau« den Jupiter. Elisabeth Ebner (Helen) singt mit warmem Sopran die sehnenden Liebeslieder, Musicalstar Aris Sas führt als lasziver Hippie-Merkur durchs Stück.

Reutlinger General Anzeiger, Angela Reinhardt



Göttervater im Liebesrausch

Cole Porters "Out of This World" überzeugt in der deutschen Fassung von Wolfgang Adenberg mit einer exzellenten Cast und beweist, dass auch eine kleine Musicalproduktion durchaus hohen Unterhaltungswert haben kann - und das abseits horrender Ticketpreise.
Regisseur Andreas Geier beweist mit seiner Inszenierung, dass auch eine kleine Musicalproduktion durchaus gut unterhalten kann – trotz des spartanischen Bühnenbilds von Knut Hansen: Die verschiedenen Szenerien werden lediglich durch dreidimensionale, verschiebbare Buchstaben angedeutet. Der "New York"-Schriftzug deutet nicht nur den Ort der Handlung an, sondern dient auch als Bar, der Schriftzug "Taverne" ist gleichzeitig Sitzgelegenheit für die Darsteller.
In der Darstellerriege gibt es ein Wiedersehen mit Künstlern wie Maryanne Kelly  und Andrew Hunt. Kelly sammelt als Juno Pluspunkte mit ihrer klaren Stimme und überzeugt auch schauspielerisch als sitzen gelassene Ehefrau von Jupiter. Michael Gaedt in der Rolle des Jupiter spielt den Göttervater als Macho mit fettiger Elvistolle, der nur eins im Sinn hat: Sex. Da verwundert es nicht, dass sein Motorrad das Kennzeichen S-EX 1 trägt und sein Bett aus den Buchstaben S.E.X. besteht. Während er schauspielerisch in seiner Rolle aufgeht, bewegt er sich stimmlich jedoch nur im Mittelfeld und bleibt vor allem hinter "Ex-Alfed" Aris Sas weit zurück. Sas führt in der Rolle von Jupiters Sohn Merkur durch die Handlung und beherrscht die Bühne mit starker Bühnenpräsenz und einer sehr angenehmen, schön gefärbten Stimme. Daniel Witzke spielt den vom FBI wegen Steuerhinterziehung gesuchten Niki Skolianos sehr überzeugend als durchtriebenes Schlitzohr, während Elisabeth Ebner und Markus Dinhobl als frisch getrautes Ehepaar Helen und Art O'Malley sowohl stimmlich als auch schauspielerisch glänzen.
Letztendlich hat das Alte Schauspielhaus Stuttgart mit seinem Mut, sich an dieses einst gescheiterte Stück heranzuwagen, mitten ins Schwarze getroffen. Ein großartiges Ensemble, die intime Atmosphäre des kleinen Theaters und die schnell ins Ohr gehende Musik machen "Nicht von dieser Welt" zu einem empfehlenswerten Musical, das wirklich sehr gut unterhält.

Mir freundlicher Genehmigung von Dominik Lapp (musicalzentrale.de)



Der Easy Rider aus dem Olymp

Ein rechter Göttervater weiß, wie man irdische Frauen aufreißen muss. Also staffiert sich Jupiter mit Elvis-Tolle und Goldanzug aus und donnert auf einer Harley mit dem Kennzeichen S-EX auf die Bühne zum One-Night-Stand mit der frisch vermählten Helen unter dem Sternenhimmel Griechenlands.
Es ist die knalligste Szene des Abends: Regisseur Andreas Geier zielt mit seiner Inszenierung des Cole-Porter-Musicals "Nicht von dieser Welt" ganz auf Effekt und glatte Unterhaltung. Heraus kommt dabei eine handwerklich solide, schrille Ausstattungsrevue mit Musik.

Stuttgarter Nachrichten, Horst Lohr



Ein Musical muss zum Glück nicht furchtbar viel Bedeutung transportieren, und so kann man sich im Theatersaal entspannt niederlassen, nur eines erhoffend: Unterhaltung. Bietet diese Inszenierung Unterhaltung (was ja schwer ist)? - Ja.

Stuttgarter Zeitung, Cord Beintmann



Göttliche Premiere von „Nicht von dieser Welt“ im Alten Schauspielhaus. - 120 herzerfrischende Minuten, dann war klar: Stuttgart hat ein neues Top-Musical im Miniformat. Schräg, sexy, modern. (…) Die sechs Hauptdarsteller glaubhaft, dynamisch, überzeugend. Keine Längen, keine Langeweile. Herausragend: Die attraktive Elisabeth Ebner und Michael Gaedt, der „Jupiter“ Publikumsliebling des Abends: Aris Sas als Merkur; der immer wieder Beifall-Stürme erntete.

BILD Stuttgart, Jürgen W. Meyer