Johann Andre / Johann Wolfgang von Goethe
Erwin und Elmire

Ludwigsburger Schlossfestspiele
Premiere am 12. Juli 2007
Inszenierung und Ausstattung:
Andreas Geier


Pfirsiche als Trennungsgrund

Unglücklich verliebt sein kommt vor, natürlich auch im 18. Jahrhundert. In "Erwin und Elmire" sind der Streitgegenstand zwei Pfirsiche, die Erwin liebevoll hochgezogen und als Liebespfand verschenkt hat, die Elmire dann aber ziemlich gleichgültig weiterreichte. Jetzt sind die beiden auseinander, und jeder ist unglücklich darüber.
Die Ludwigsburger Schlossfestspiele haben für dieses Singspiel, dessen Text Johann Wolfgang von Goethe mit 26 Jahren schrieb, hat mit der Bietigheimer Alten Kelter den richtigen Rahmen gefunden.
Der programmatische Charakter ist dem Stück deutlich anzumerken, denn diese Gattung war zu dieser Zeit noch ziemlich neu, und Goethe und Konsorten machten sich damals allerlei grundsätzliche Überlegungen zu diesem Genre. Bevor es um Empfindungen und Leidenschaften geht, folgen erst mal allerlei mehr oder weniger philosophische Überlegungen über die Jugend von einst und jetzt sowie über den Wandel der Zeiten.
Dass Regisseur Andreas Geier vom Alten Schauspielhaus Stuttgart all dies drinbehalten hat, ist in diesem Fall kein Fehler, denn das Klagen über die zunehmende Schnelllebigkeit und die Warnung vor allzu pauschalen Vorverurteilungen ist sehr aktuell. Doch Geier sorgt neben all diesen Überlegungen auch dafür, dass der naive Charme des Stücks bewahrt bleibt, indem er das kleinbürgerliche Szenario nahtlos in die Architektur des historischen Gebäudes integriert. Denn hier gibt es einige Kuriositäten: Ausgerechnet Andrea Hörnke-Trieß, die Schauspielerin dieser Produktion, eröffnet den Gesangsreigen, und die große Liebesarie dieses Abends beginnt mit Erwin, nicht gerade ein geläufiger Name in der Opernliteratur. Ines Lex und Mark Schwämmlein setzen all ihren jugendlichen Charme ein, damit ein glückliches Ende zu Stande kommt. Und Tero Hannula ist ein gutmütiger altväterlicher Begleiter. Das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele setzt unter Leitung von Andreas Paetzold die Partitur von Johann André ganz gewissenhaft um und entfacht auch sehr viel Feuer, was nicht so einfach ist, da der Komponist an vielen Stellen eher Korrektheit denn Emphase walten lässt. So ist hier ein kurzweiliges Zeugnis aus den Anfängen des deutschen Musiktheaters zu sehen.

Armin Friedl, Stuttgarter Nachrichten

Geiers Inszenierung bekennt sich nicht eindeutig zu einem Fach. Mal tendiert sie zum Komischen, mal zum Tragischen. Mit Drastik wird nicht gespart, etwa wenn Elmire mit einer Schere zum Ritzen ansetzt oder Erwin seiner Angebeteten ein ausgerissenes Herz offeriert. Mark Schwämmlein, der Tenor und Student an der Stuttgarter Musikhochschule ist in seinem Spieleifer kaum zu bremsen. Neben Tero Hannula überzeugt Ines Lex, die sich mit jugendlichem Schmelz in die virtuosen Sopranarien schraubt. In einer ihrer letzten Arien, die an musikalischer Dramatik Mozart in nichts nachsteht, rührt sie zutiefst, während sie ihre Herzdose mit all ihren Kostbarkeiten im Blumenbeet beerdigt.

Bietigheimer Zeitung